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Der Blues vor der Haustür: Ihn fühlen und in die Hände klatschen

17. November 2025

Autor: Regina Grüter - Luzerner Zeitung

Der Blues vor der Haustür: Ihn fühlen und in die Hände klatschen

Am Lucerne Blues Festival kann man immer beides, zurück und nach vorne schauen. Ein Streifzug durch drei Abende und was man davon mit nach Hause genommen hat.

«Just jumpin’ at the Juke Joint», singt Gregg A. Smith und erinnert sich daran, wie er vom Blues geküsst wurde. Da war er noch ein kleiner Junge. Und diese Stimmung, tanzen und einfach eine gute Zeit haben, bringt er nach Luzern. Solche Momente, die Nichte im Publikum, rühren ans Herz.

Die «Dallas Blues & Soul Revue» vereinte mit Tutu Jones, Captain Jack Watson und Smith drei Veteranen aus Texas auf der Bühne – nicht miteinander, sondern nacheinander. Mit dabei auch die Top-Bläserformation The Texas Horns, die völlig unaufdringlich groovige Impulse setzte.

Die gleiche junge Band begleitete am Abend zuvor, am Eröffnungsabend des Lucerne Blues Festival im Grand Casino Luzern, das Musikprojekt «Rosewood Soul Series». Da waren die Jungen am Zug, drei Gitarristen und Sänger, die nicht nach-, sondern miteinander spielten, ja sich gegenseitig in einem Konzert mit viel Jamcharakter zu Höhenflügen anspornten. Als Bandleader fungierte Sean «Mack» McDonald, der vor zwei Jahren, flankiert von den Texas Horns, als heisses Talent präsentiert wurde.

Die Youngsters haben viel Spass

Er spielt im Stil von Robert Johnson bis zu T-Bone Walker, von altem Country Blues bis zu Chuck Berry. Seither hat McDonald eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht, enorm an Selbstsicherheit und Bühnenpräsenz gewonnen. Stephen Hull hingegen lässt sich von Albert King oder B. B. King inspirieren, seine Stimme hat viel Soul.

Die drei lassen die «good times roll» – mit zwei Ausflügen ins Publikum. Die Show ist spontan. Es wird viel improvisiert, ihre Gitarren treten in einen Dialog. Die Freude an der Musik, der zwanglose Umgang mit dem Erbe und der je eigene Ausdruck sind frappierend. Ein bisschen angestrengt wirkt Xavier Shannon, wie um ihn zu beschützen, in der Mitte platziert. Er spielt noch mehr aus dem Kopf als aus dem Herzen heraus.

Das Gebiet Rosewood in Austin war eine der Geburtsstätten des Texas Blues. Hinter der Veranstaltungsserie «Rosewood Soul» steht die Eastside Kings Foundation in Austin, die sich der Bewahrung und Förderung des kulturellen Erbes von afroamerikanischem Blues, Jazz und Gospel verschrieben hat. Es geht etwas im Blues, und der Nachwuchs sorgte für ein Highlight am 30. Lucerne Blues Festival.

Zuversichtlich für den Blues

«If you feel it, just clap your hands», animierte McDonald das Publikum, welches übrigens an allen drei Abenden zahlreich erschienen war, zum Klatschen. Man hat es gefühlt, nicht nur bei den drei jungen Männern, auch bei den Singer-Songwritern Tutu Jones oder Matthew Skoller. Ob es okay sei, wenn er noch mehr eigene Songs spiele, fragte Letzterer. Noch so gern! Es ist aber auch schön, wenn Precious Taylor ihrer berühmten Tante Koko etwa mit «Black Nights» die Ehre erweist – mit ihrer Stimme muss sie nicht zurückhalten. Oder wenn Johnny Ramos, der Sohn von Kid Ramos, mit seiner hohen, ein bisschen an den jungen Michael Jackson erinnernden Stimme einen Song auf Spanisch singt, Bluesharp-Spieler Jerry Portnoy sanft ein Jazzstück von Erroll Garner interpretiert.

Initiativen wie «Rosewood Soul», exklusiv in Luzern, oder der Erfolg einer Vanessa Collier stimmen zuversichtlich. Als Colliers Band beginnt, stellt es einem die Haare auf, so gut ist sie, tight und on point, die Gitarristin unglaublich. Und dann das Cover von Ann Peebles «I Can’t Stand the Rain»: einfach grossartig. Collier bringt Funk, Soul und Rock in ihre Musik, das Saxofon lautstark in den Blues. Zuweilen hätte man sich etwas mehr Dynamik gewünscht.

Besonders ist auch das neue Album von Kid Ramos und Brian Templeton, das Blues mit Gospel vereint, und wie Sänger Templeton im Verlauf des Konzerts emotional immer mehr aus sich herauskommt. Es scheint, es gibt kein Entrinnen vor dem Blues. Ihm habe er das Leben gerettet, sagt Captain Jack Watson.

Der Sohn eines alten Weggefährten

Die Szene ist überschaubar. Man kennt sich. Kid und Johnny Ramos machen sich auf den Rückweg ins Hotel. Matthew Skoller hört sich Jerry Portnoy an – sie repräsentieren die Bluesstadt Chicago. Portnoy hat den Sohn eines alten Weggefährten – damals, in der Band von Muddy Waters – als Schlagzeuger engagiert, der mit einem bezaubernden Lächeln und viel Freude die Legende Portnoy unterstützt. Die Stützen der Band aber sind der Gitarrist und der Keyboarder.

Die 30. Ausgabe des Lucerne Blues Festival hat einmal mehr gezeigt, was Blues alles sein kann. Es ist immer beides: ein nostalgischer Blick zurück und ein neugieriger nach vorn. Let the good times roll! Ein Zeitsprung in einen Juke Joint im tiefen Süden, das wäre schon was.

Luzerner Zeitung: https://www.luzernerzeitung.ch/kultur/zentralschweiz/30-lucerne-blues-festival-ein-streifzug-durch-drei-abende-ld.4040915